Die Gemeinde Pájara

1. Etymologie des Ortsnamen “Pájara”:

Gemäß dem Wörterbuch der Real Academia Española de la Lengua, bedeutet “Pájara” unter anderem “kleiner Vogel” oder auch “Rothuhn-Weibchen” aufgrund der historischen Existenz einzigartiger Vögel in dieser Zone, wie das Felsenhuhn, oder die Kragentrappe oder das Schwarzkehlchen.

Der Name könnte also einen Ort widerspiegeln, an dem viele kleine Vögel existieren, könnte aber genausogut nach diversen philologischen Studien ein Ortsname der prähispanischen Ureinwohner sein.

Bis heute sind keine vergleichbaren bzw. ähnlichen Ortsnamen im restlichen Spanien bekannt oder überhaupt in hispanoamerikanischen Gegenden.
2. Die Ureinwohner-Bevölkerung:

Die archäologischen und ethnohistorischen Studien über die Insel Fuerteventura sind noch nicht sehr weit fortgeschritten; tatsächlich stellen sich ernsthafte Hindernisse in der Erforschung der Bevölkerungsgeschichte der Ureinwohner in den Weg.
Die Chronisten, im besonderen aus der Zeit der Eroberungszüge und der ersten normannischen Kolonisierungen, bieten uns eine ganze Reihe von interessanten Beobachtungen und Einschätzungen. So stellten die Normannen fest, dass “…es einen Punkt gibt, an dem es von Küste zu Küste nicht mehr als eine Meile weit ist…dort gibt es eine große Steinmauer, die das Land durchläuft, komplett, von einem Ufer zum anderen…” (“Le Canarien”). Das war für die Archäologen und Historiker ein Hinweis auf die Möglichkeit, dass die Königreiche bzw. die Gesellschaft der Ureinwohner geteilt gewesen sein könnten. So würden in der späteren topografischen Terminologie die Ortsnamen Maxorata und Jandía die Namen der gegenüberliegenden Königreiche reflektieren (Ayose und Guise). Zwei Landstriche, die während des 17.und 18.Jahrhunderts immer wieder in den Akten des Cabildo (Inselrats) auftauchen, aber auch in gerichtlichen bzw. privaten Dokumenten.

So wird beispielsweise gesagt, dass “…das Land nicht sehr stark bevölkert ist…”(“Le Canarien”) oder das die Bevölkerung relativ klein sei (80 Familien, gemäß G.E.Azurara). Nach historisch-ethnografischen Studien und solchen über die ökologische Kapazität von halbtrockenen oder trockenen Zonen der Erde liegt die Bevölkerungsdichte bei 0,38 bis 1,93 Einwohner pro Quadratkilometer.

Man muss bedenken, dass in der Gegend keine relevante Vegetation existierte (“… das Land besitzt nicht so viele Wälder, wie besagte Inseln…, sondern nur kleinere Bäume, die einen medizinischen Saft produzieren, in Form von Balsam, im ganzen Land, und viele andere Bäume mit Datteln und Oliven, Mastix und andere seltsame Sachen…”, “Le Canarien”) und dass sie unter dem Druck einer vom Hirtentum geprägten Wirtschaft stand, die intensiv und extensiv war, und dessen Viehbestand der Chronist Nicoloso da Recco auf 60.000 Stück schätzt. (“… das Land ist voller Ziegen, sowohl häuslicher als auch wild lebender…”).

Abreu Galindo, der auf der Insel war, berichtet uns, dass das Vieh “… verstreut auf der ganzen Insel umherzieht; und wenn man es einfangen wollte, trieb man es zusammen und hütete es, was man Gambuesas nannte…”. Gewiss ist, dass Abreu Galindo 1590 an einer eigentümlichen Wildesel- Jagd teilnahm, zusammen mit dem Kapitän-General Luis de la Cueva, dem Bischoff Fernando Duárez de Figueroa, dem provinziellen und berühmten Poeten Gonzalo Argote de Molina und dem Herrscher von Fuerteventura. 1500 Esel wurden bei dieser ungewöhnlichen Jagd getötet.

Eine Gesellschaft aus Hirten und Sammlern, deren Vorfahren mit der Berberkultur verwurzelt waren. So schaffen der Konsum von Gofio aus “Cosco” oder “Cofe”, das Wohnen in Höhlen oder halb in der Erde liegenden Häusern zum Schutz gegen den Wind und die Existenz von Mühlen uns ein Bild, das spätere Ausgrabungen nicht zu ergänzen vermögen, wenn man versuchen wollte intuitive Vermutungen durch wissenschaftlich fundierte Fakten zu ersetzen.
Es gibt also nur wenige Studien aus dieser Zone, die die heutige Gemeinde Pájara umfasst; in näherer Zukunft aber muss hier eine größere Aufklärung stattfinden.

3. Die Geschichte der Gemeinde:

Der aktuelle Gemeindekreis Pájara ist das Resultat eines territorialen Trennungs- und Eingleiderungsprozesses bezüglich der entsprechenden Grenzen und Demarkationen aus der Feudalzeit (15.und 16.Jahrhundert).

Es ist schwierig an Informationen in Form von Dokumenten aus der Zeit vor dem 16.Jahrhundert zu bekommen, aufgrund des Verlustes von Archiven bei den häufigen Piratenangriffen auf Fuerteventura.

Dennoch lässt sich eine Studie über die Geschichte von Pájara entwickeln, die im Jahre 1834 beginnt, als die Gemeinde ihr eigenes Bürgermeisteramt bekommt, geschaffen vom Parlament von Cádiz 1812.

Schon ab dem 17.Jahrhundert schaffen die Häfen im Süden (Herradura, Río de Cabras, Pozo Negro, Gran Tarajal, Giniginámar, La Pared und La Casa de la Señora) eine starke Verbindung nach Außen. Von hier versandte man Vieh und Orchilla zum restlichen Archipel und nach Europa. Jandías kleinen Ladeplätze sind die strategischen Verladepunkte der Orchilla.

Das erklärt die Tatsache, dass Pájara im Jahre 1711 eine eigene Pfarrkirche besaß, die 1708 der Schutzherrin Nuestra Señora de Regla gewidmet und von der Pfarrkirche Matriz de Betancuaria wurde. 1735 wird ein weiteres Kirchenschiff angebaut und gleichzeitig damit eine Basisstruktur geschaffen, die bis heute erhalten geblieben ist.
Die zunehmenden Aktivitäten der Bevölkerung hängen direkt mit dem insularen Wachstum einer mächtigen und von Pájara abstammenden Familie gegen Ende des 17.Jahrhunderts zusammen: der Familie Sánchez Umpiérrez. Pedro Sánchez Umpiérrez wurde auf königlichen Erlass (1722) zum ersten Oberst der Inselmiliz und zum “Capitán a guerra” erklärt. Eine familiäre Tradition, die durch Joseph Sánchez Umpiérrez fortgeführt wurde, der kurze Zeit später von der königlichen Autorität ebenfalls zum Oberst erklärt wurde. Dies sollte seine Position in der insularen Elite, zusammen mit dem Sieg über die Engländer in Gran Tarajal (1740), festigen.

Pedro Agustín del Castillos berichtet uns aus dem 18.Jahrhundert folgendes: “Pájara, 432 Familien und elf Destrikte, inklusive Tuineje… Las Dehesas de Jandía sind frische Gebiete mit grünen und üppigen Wäldern, in denen es reichlich Vieh gibt”. Die Zahl von 200 Einwohnern von 1718 (von insgesamt 1.215 auf der gesamten Insel), reduzierte sich 1772 auf 79 (inselweit 805); dies ist zweifellos als Folge der starken Trocken- und Hungerperioden zu betrachten, über die im Cabildo (Inselrat) Archive existieren.

Viera y Clavijo stellt gegen Ende 18.und Anfang 19.Jahrhundert in seinen “Notizen über die generelle Geschichte der Kanarischen Inseln” fest: “Pájara ist ein gutes Dorf, genauso wie seine Pfarrkirche…”. Er weist seiner Gerichtsbarkeit folgende Destrikte zu: Toto, Barjada, Eduegue, Chilegua, Mesquer, Mirabal, Tiscamanita, La Florida, Adeja, Teserague und Tuineje.
Francisco Escolar y Serrano bietet uns in seinen “Statistiken der Kanarischen Inseln, 1793-1806″ eine detailliertere Vision von der Realität Fuerteventuras im Allgemeinen und seinen Orten im Besonderen. Aus der Sicht des Autors ist Pájara eine Pfarrkirche, die sieben Destrikte mehr mit einschloss, mit einem Ausmaß von 12.371,409 Fanegas (Getreidemaß), und sagt über seine Ländereien, sie seien zwar bergig, aber “…die fruchbarsten der Insel, weil hier die Zersetzung am fortgeschrittensten ist”.

In seiner Analyse bezüglich Terrain und Wirtschaft stellt er die Existenz zweier Spinnereien und Webereien für Leinen- und Baumwollstoffe heraus, in denen sich ein interessantes Handwerksspektrum widerspiegelt (10 Schuhmacher “Remendones”, 2 Tischler, 8 Maurer, 3 Hutmacher und 8 Gerber). Neben der Produktion von 14.000 Fanegas Gerste und 5.000 Fanegas Weizen, als Basisgetreide, müssen wir noch wegen ihres hohen Wertes 5.000 Zentner Salzkraut und 8 Fässchen Wein auflisten. Der Viehbestand setzte sich zusammen aus 7.000 Ziegen, 3.600 Wollschafen, 1.000 Rindern, 500 Kamelen und 200 Eseln. Eine Viehherde produzierte neben Milch und Fleisch 70 Zentner Wolle, 850 Zentner Käse und 512 Lederhäute.

Pájara besaß gemäß dieser Statistik im Jahre 1802 1.449 Einwohner, die sich auf insgesamt 386 Häuser aufteilten.

Es muss berücksichtigt werden, dass die Gemeinde in dieser Epoche bis in die zeitgenössische Etappe Herrschaftsbesitz der Jandía-Halbinsel war. Ihre Wirtschaft produzierte gegen Ende 16.Jahrhundert für die Herrscher der Insel 5.000 Reales pro Jahr zur Zahlung der Weiderechte, zu denen wir noch 1.000 Dukaten bzgl. des Viehs zählen müssen, das zum herrschaftlichen Eigentum gehörte, und einen wesentlichen Teil der jährlichen 100.000 Reales, die mit dem Verkauf der Orchilla erzielt wurden.

Ein Gebiet, das Anfang des 19.Jahrhunderts immer noch Trinkwasserquellen besaß, und fruchtbare Böden, auf denen man das Vieh von Pájara und Tuineje weiden lassen, sowie “… auf den Felsen den inselweit ganzjährig grössten Anteil an Orchilla sammeln konnte…”. Das Gebiet diente aufgrund seiner Abgeschiedenheit “… jenen, die von Canaria kamen, um dort zu fischen, als Zufluchtsstätte…”.

Josef María de Zuaznavar, Finanzbeamter der Real Audiencia de Canarias, erwähnt im Jahre 1803, “Páxara” sei ein herrschaftlicher Ort mit einem Bürgermeister.

Das Wörterbuch von Madoz aus den 40er Jahren des vergangenen Jahrhunderts beschreibt Pájara als einen Gemeindekreis. Es spricht von 100 Häusern im Stadtkern und weiteren 237, die insgesamt auf 15 Ländereien aufgeteilt sind, unter denen sich unter anderem auch Tiscamanita und Tuineje befinden, und gleichzeitig wird auch Cofate de Jandía erwähnt.

Das soziale Panorama ist laut den Ausführungen besagten Wörterbuchs eher niedrig einzuschätzen. So können im Jahre 1834-35 von insgesamt 1.499 Ortsbewohnern nur 189 Männer und 76 Frauen lesen, und von diesen nur 125 Männer und 25 Frauen schreiben.

Es wird weiterhin von einem fruchtbaren Boden gesprochen, auf dem Weizen und Gerste produziert wird, und in geringeren Ausmaßen auch Mais und Kartoffeln. Salzkraut und der rote Farbstoff der Cochinilla-Schildlaus, letztere wurde aus Südamerika eingeführt, bilden die einzigen Exportprodukte.

Das 19. und überwiegend auch das 20.Jahrhundert sind geprägt von Nöten, Hungerkrisen und allgemeinen Überlebensschwierigkeiten.

4. Das Territorium:

Was wichtige Daten anbetrifft, die mit dem Gemeindeterritorium in Verbindung stehen, so lassen sich diese unter zwei interessante Aspekte gliedern. Einerseits können wir die Gemeinde und ihre wichtigsten geografischen Indikatoren situieren. Und andererseits wollen wir ein besonderes Augenmerk auf die Naturschutzgebiete lenken. Zum Schluss werden wir einen kleinen Abstecher in die Welt der Flora und Fauna der Gemeinde unternehmen.

4.1. Generelle Merkmale:

Mit einer Gesamtoberfläche von 383,6 Quadratkilometern (23,11% der Inselfläche), stellt Pájara die größte Gemeinde von Fuerteventura dar.

Das Territorium lässt sich in zwei große Gebiete unterteilen. Zum einen den nördlichen Teil, den Basaltkomplex, der zur restlichen Insel gehört, und zum anderen der Süden, die Halbinsel von Jandía.

Die vulkanische Inselmorphologie ist stark erosioniert und besitzt eine Küstenlänge von 150 Kilometern (die größte aller spanischen Gemeinden), mit insgesamt 70 Kilometern Strand:

 

Strände

Länge

Durchschnittsbreite

Besuchermenge

   

 

 
La Lajita

915

20

niedrig

Matas Blancas

1.500

35

niedrig

Sotavento

11.000

30

mittel

Butihondo

1.500

45

niedrig

Morro Jable

4.325

60

mittel

Las Coloradas

230

20

niedrig

Morro de Potala

300

25

niedrig

El Puertito

545

20

niedrig

Cofete

13.700

60

niedrig

El Viejo Rey

800

18

niedrig

La Pared

200

18

niedrig

Ugán

300

30

niedrig

La Solapa

425

30

niedrig

Ajuí

220

35

mittel

Quelle: MOPTMA.

Die Verbindung zum Vulkanismus lässt sich durch den Pico de la Zarza (807 Meter) knüpfen, dem höchsten Punkt der Insel.

Die Entfernung zur Hauptstadt (41,5 km vom Stadtkern von Pájara und über 84 km von dem Gebiet Morro Jable) schafft eine Abgelegenheit des Territoriums, die ausschlaggebend für die insulare Realität ist.

4.2. Naturschutzgebiete:

28,8% der Gesamtoberfläche von Fuerteventura steht unter Naturschutz (7.726,9ha ); das spiegelt sich auch in dem Umkreis von Pájara wider. 60,3% der Naturschutzgebiete befinden sich in diesem Gemeindekreis (; das sind insgesamt 28.787 Hektar).

Folgende Gebiete der Insel stehen unter Naturschutz:
· Naturpark von Jandía, mit 14.318´5 ha, das sind 8,9% der Naturschutzgebiete der Insel.
· Ruralpark von Betancuria, von dem 3.054,3 ha von insgesamt 16.544,3 ha zu Pájara gehören
· Naturmonument Montaña Cardón, mit 1.266,8 ha.
· Naturmonument von Ajuí, mit nur 31,8 ha geschützter Fläche.
· Ort von wissenschaftlichem Interesse Playa del Matorral, mit 115,6 ha geschützter Fläche.

Im Folgenden wollen wir nun die diversen Wesensmerkmale dieser Naturschutzgebiete herausstellen:

a) Naturpark von Jandía:

- Überlagerung von Lavaschichten, mit den höchsten Erhebungen auf der Insel in Arco de Cofete mit einem der schönsten Panoramablicke der Kanaren.
- Eine reiche Flora und Fauna: sandige oder salzige Böden, steinige Ebenen, Schluchten, Talsohlen und Gipfel.
- Pflanzen wie die “Uvilla de Mar Sahariana” und der “Zygophyllam Gaetulum”, zu denen wir noch andre Endemiten zählen können, die “Magarza de Jandía”, die “Taginaste” und die Wolfsmilch von Jandía ( Euphorbia Handiensis).
- In der vielfältigen Tierwelt stechen der Schmutzgeier, örtlich unter dem Namen “Guirre” bekannt, der Berberfalke,die Kragentrappe und das Kanaren-Schwarzkehlchen hervor ( letzeres ist ein Endemit).
- Die Existenz wichtiger Funde aus der Meerestierwelt des Quartiärs, beispielsweise von den seit über 25.000 Jahren ausgestorbenen Sturmvögeln (puffimus holei).
- Kleine Tarajal-Wälder und Palmenhaine vervollständigen den “reichen botanischen Raum”, wie einst David Bramwell die Halbinsel definierte.
b) Naturmonument Montaña Cardón:

- Gebiet mit bedeutenden Spuren der Ureinwohner, die im Einklang mit dem religiösen Charakter des Berges stehen.
- Wichtige Spezies: Col de risco, Cerrajón, Wolfsmilch und Jorga ( letztere endemisch).

c) Naturmonument von Ajuí:

- Gemäß den Geologen ist dies der älteste Ort des Kanarischen Archipels und der somit als erstes bei den unterseeischen Vulkanausbrüchen aus dem Meer auftauchte. Studien über den Quarzsand und den Sand des Meeresgrundes ergeben ein Alter von über 100 Millionen Jahren, was der Kreidezeit entsprechen würde.
- Man hat Fossilien von Schnecken und Sturmvögeln längst ausgestorbener Arten entdeckt.

d) Ort von wissenschaftlichem Interesse Matorral:

- Es handelt sich um eine bedeutende Salzsteppe, die diverse salzbödenliebende Spezies birgt, wie Greiskraut, Brusquilla und Wilde Johannesbeere.
- Dieses Gebiet steht unter Sonderschutz, da sich hier auch ein recht belebter Strand befindet.

e) Ruralpark von Betancuria:

- Naturschutzgebiet, das sich auf 5 Gemeinden aufteilt; ein wesentlicher Teil gehört zur Gemeinde Betancuria (9.452,5 ha), Puerto del Rosario (3.089 ha) und Pájara (3.054,3 ha).
- Wird wegen seiner geologischen Einzigartigkeit und seiner landschaftlichen Morfologie geschützt.
- Vegetation: Ginstergestrüpp und dornige Pflanzen, sowie Palmenhaine und Tarajal-Wäldchen in der Las Peñitas Schlucht. El Morro de la Cruz präsentiert einen ungewöhnlich großen Pflanzenreichtum mit Felsengewächsen (Tabaiba Dulce (Mandelwolfsmilch), Jorada, etc.)
- Die Feuchtgebiete der Talsperre von Las Peñitas oder Los Molinos stellen den natürlichen Lebensraum des Teichhuhns (gallinula ehloropus) und des Blässhuhns (fulica atra) dar. Im Barranco de Ajuí-Las Peñitas findet man Nester von Schmutzgeiern und an der Küste von Fischadlern, sowie Sturmtaucher-Kolonien.
- Es existieren Reste von Meeressedimentgesteinen am Hafen von La Peña und von der Ureinwohnerzivilisation.

Zusammengefasst: auf Fuerteventura gibt es 13 Gebiete aus dem kanarischen Naturschutzgebiete-Netz; sie besitzen zusammen eine Fläche von 47.726,9 ha, die noch einmal erweitert wird durch Gebiete mit einer Fläche von 29.257,7 ha, die mit dem Terminus “ökologisch sensibel” gekennzeichnet sind. Dort gibt es eine relativ spärliche Bevölkerungsdichte (69 Einwohner im Nationalpark von Jandía und 536 Einwohner im Ruralpark von Betancuria); dennoch bedürfen sie besonderer Aufmerksamkeit in Hinsicht auf zu starke Eingriffe seitens des Tourismus, oder Jägern und sonstigen Besuchern dieser Zonen.

4.2. Flora und Fauna:

Was die Flora anbetrifft, so zeigen uns die Studien von David Bramwell die floristische Bedeutung der Gemeinde im Allgemeinen und die von Jandía im Besonderen auf.

An der Küste von Morro Jable existieren zwei Seltenheiten, das ist zum Einen die “Euphorbia Handiensis” und zum Anderen die “Pulicaria Buchardii”, wobei sich letztere in Gefahr des Aussterbens befindet. Aber auch am Pico de la Zarza finden wir einzigartige Arten vor (Argurantheum Winter, Echium Handiense, Bupleurum Handiense, Sideritis Pumila, Nauplius Sericeus und Minuartia Platyphylla).

Die Gesamtheit von 62 verschiedenen Pflanzenarten, von denen einige endemisch sind, bilden eine reiche Vielfalt im Gemeindegebiet (siehe Photo).

Was die Fauna angeht, so gibt es hier insgeamt 38 Arten, darunter 5 einheimische, angefangen von kurzlebigen Tieren bis zu Schuppenflüglern, von Geradflüglern bis zu Dermapterae. Die Spezies ” Gallotia Atlantica” vertritt die Gruppe der Reptilien.

Das Kapitel der Vögel ist aus wissenschaftlicher Sicht zweifellos sehr bedeutend. Darunter gibt es eine bedeutende Repräsentation aus der afrikanischen Fauna, in der der Schmutzgeier eine übergeordnete Rolle spielt, aber auch die Kanarische Kragentrappe, die sich in Gefahr befindet, auszusterben.

Die Nistvögel, von denen hier einige Endemiten existieren, bilden ein reiches Panorama und haben nicht umsonst den Gemeindenamen bestimmt. So sind unter den 37 Spezies der Vögel insgesamt neunzehn Endemiten der Kanaren oder sogar speziell von Fuerteventura zu verzeichnen (siehe Anhang).

Nicht unbedeutend ist auch die beachtliche Anzahl an Küstenvögeln. Unter den fünfundzwanzig Arten, einige davon endemisch, verdienen vor allem die folgenden besondere Erwähnung: Der kleine Sturmtaucher, die Kragentrappe, der Grünling, der Berberfalke, der Tingitanorabe, der Weidensperling, der Wiedehopf und das Felsenhuhn (siehe Anhang).

Das Feld der Säugetiere ist dagegen wesentlich beschränkter. Neben dem Wanderigel begegnen wir zwei Fledermausarten, vier Hasenarten und einer Eichhörnchenart.

Eine wissenschaftliche Kuriosität stellen die bedeutenden Reste von Mollusken und uralten Nester von Hautflüglern dar. Genauso finden sich hier Reste von großen Vögeln, sowie Eidechsen, Schildkröten und größere Nagetiere.

5. Die Bevölkerung:

Eigene Wir können beobachten, wie bis in die 70er Jahre trotz des demografischen Modells, das ein starkes Wachstum auf den Kanaren aufzeigt, die Bevölkerung in Pájara einen im Vergleich zu 1960 minimalen Bevölkerungsanstieg zu verzeichnen hat. Allerdings trieb der Tourismus die Bevölkerungszahlen dann jäh in die Höhe, wie die Zählung von 1981 zeigt, in der sich ein Zuwachs von 42,8% verzeichnen lässt. Diese Zahl soll im folgenden Jahrzehnt noch einmal drastisch ansteigen, wo sie sich schließlich vervierfacht.
Zweifellos haben die Anforderungen des touristischen Wachstums, die durch das insulare Angebot keinesfalls abgedeckt werden konnten, zu einem hohen Einwanderungszustrom geführt, der wiederum eine Veränderung der alten gesellschaftlichen Strukturen der Gemeinde mitsichzog.

Der sozioökonomische Wechsel wird getreu in den Hauptindikatoren des Arbeitsmarktes reflektiert:

  • 75,4% der Bevölkerung ist arbeitstätig, zweifellos die höchste Rate Fuerteventuras und der Kanaren überhaupt.
  • Eine Arbeitslosenrate liegt bei 9,7%, die niedrigste Fuerteventuras und eine der niedrigsten aller kanarischen Gemeinden.
  • Die Arbeitslosenrate im Dezember 1996 von 302 Personen reduzierte sich im Dezember 1997auf 255 Personen.
  • Eine registrierte Nachfrage konzentriert sich im Wesentlichen auf zwei Sektoren: Dienstleistungen (219) und Konstruktion (18). Die Landwirtschaft spiegelt die Knappheit verfügbarer Arbeitskräfte wider (eine Nachfrage), was ihren Rückgang erklärt, sowie ihren Bedeutungsverlust.

6. Wirtschaft:

Wir bedienen uns der Indikatoren aus der regionalen volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung, die sich auf Inseln und Gemeinden aufteilt (1991). Die Gemeinde Pájara nimmt den ersten Platz in Punkto Rente, Bruttosozialprodukt (VAB) und Familien-Nettoeinkommen (RFND) ein, – gerechnet pro Einwohner auf Fuerteventura. In der Autonomen Gemeinschaft steht Pájara damit an vierter Stelle.

Wir stehen vor einer Ökonomie, die im letzten Jahrzehnt stark evolutioniert ist, mit einer Polarisierung auf dem Dienstleistungssektor. 81,21% der berufstätigen Bevölkerung ist in diesem Sektor beschäftigt und 65% davon im Untersektor Gast-und Hotelwirtschaft, Restaurants und Bars. Kanarenweit sicherlich der höchste Index.

Dies hängt unittelbar mit der Unternehmensstruktur zusammen. So obliegen von 816 IAE-Lizenzen (21,15% der Inselgesamtheit) 49,9% dem Bereich “Beherbergung”, 28,8% dem Großmarkt und Einzelhändlern und 19,62% dem Bereich “Restaurants und Bars”.

Man kann also sagen, dass die ehemals wichtige Landwirtschaft und der Fischfang kaum 8,13% der berufstätigen Bevölkerung beschäftigen; zudem ist der Anbau beschränkt auf Tomaten, Luzerne und Kartoffeln in den Tälern des Nordens des Gemeindekreises, wo immer noch einige benutzbare Brunnen existieren. Der Fischfang, der sich vor allem auf Morro Jable und Ajuí konzentriert, hat bezüglich seiner historischen Rolle an Bedeutung verloren.

Andererseits ist die Bedeutung der Gemeinde bezüglich alternativer Energiegewinnung in den letzten Jahren erheblich gestiegen. Aus den drei Windparkanlagen ( Cañada del Rio, Cañada del Barco und der Windgenerator von Jandía) werden immerhin 29.754,9 kw erzielt.

Ein weiterer Indikator für die Gewichtigkeit der Aktivität auf dem Dienstleistungssektor zeigt das schnelle Wachstum der Anzahl der Kraftfahrzeuge. So nimmt Pájara bezüglich Kraftfahrzeuge pro tausend Einwohner (944) und Pkws pro tausend Einwohner (655) den ersten Platz unter den Gemeinden Fuerteventuras ein. Ein Faktum, das die schwache Struktur der öffentlichen Verkehrsmittel widerspiegelt und den Druck, den diese enorm große Anzahl an Kraftfahrzeugen auf das Ökosystem der Insel ausübt.

Eine Wirtschaft, die somit unanfechtbar durch das hegemonische Gewicht des Dienstleistungssektors bestimmt wird.

7. Der Tourismus:

Der Tourismus und seine vielfachen Verbindungen zum Dienstleistungssektor bilden den Nährboden des wirtschaftlichen Wandels von der entbehrungsreichen und krisenunterworfenen Agrarwirtschaft zu einer Ökonomie, die auf das Touristiksystem konzentriert ist.

Die Indikatoren, die wie folgend dargestellt werden, erlauben uns eine Überprüfung dieser Beurteilung:

(Seite mit touristischen Indikatoren einfügen).

Nichtsdestotrotz ist es notwendig, an die Herausforderungen des 21.Jahrhunderts zu denken, sowohl was die Perspektive der Absicherung der Lebens- und Konkurrenzfähigkeit des touristischen Systems anbelangt, als natürlich auch die Garantie für räumliche und soziale Unterstützung des hegemonischen Wirtschaftsmodells.
8. Das touristische Angebot:

Das Angebot hochqualitativer Hotels (25) mit der Präsenz der wichtigsten spanischen und internationalen Ketten wird abgerundet durch ein ausserhotelsches Angebot (mehr als 50 Appartementanlagen)

Pájara verfügt außerdem über insgesamt sechzehn Reisebüros, dazu kommen dreiundzwanzig Autovermietungen, vier Motorrad- und Fahrradverleihzentralen, sechs Tauchzentren und fünf Windsurfingschulen.

Mehr als einhundert Restaurants und einhundertdreißig Bars und Cafés ergänzen das Angebot.

Der Freizeitbereich wird, abgesehen von dem speziellen Programm der Unterkunftsanlagen, durch vier Diskotheken sowie musikalische und kulturelle Aktivitäten abgedeckt, die auf dem öffentlichen Netz an Plätzen und Lokalen der Gemeinde entfaltet werden.

9. Wassersport:

Ganz ohne Zweifel ist Fuerteventura mit seinen Stränden in Sotavento ein Paradies für Windsurfer. So wird in der Gemeinde von Pájara jährlich im Juli der Windsurfing World Cup veranstaltet.

Während des Großteils des Jahres bieten sich für Anhänger dieser und anderer Wassersportarten Wind, Wellen und ein breites Angebot an Schulen und Centern.

So gibt es für Tauchen und Wellenreiten über zehn Spezialisten an der Küste von Pájara.

Dieses Angebot soll in naher Zukunft weiter perfektioniert und ausgebaut werden.

10. Das soziokulturelle Angebot:

Die Gemeinde verfügt über ein bedeutendes Netz an öffentlichen Anlagen und Plätzen.

Die vier großen öffentliche Plätze zusammen mit den acht Kulturzentren, die sich in den verschiedenen Bevölkerungszentren befinden, werden durch zwei Bibliotheken ergänzt (Stadt Pájara und Stadt Morro Jable). Das Stadtarchiv mit der inselweit größten Menge an Dokumenten und Räumlichkeiten (99 Quadratmeter), birgt Bestände ab 1832.

Diesbezüglich verfügt Pájara über einen bedeutenden Zusammenschluss von Verbänden und Kulturgruppen:

  • Kulturkollektiv Jable de Biocho.
  • Jugendverbände von Agua Cabra und El Totiso.
  • Jugendinformationszentren in Morro Jabla, El Cardón, La Lajita, La Pared, Pájara und Toto.
  • Diverse Folkloregruppen: Guanches de La Pared, Mahos del Cardón, Tercera Edad de Pájara, Guanches de Tinea und Rondalla Los Tamonantes.
  • Spezielle Ausbildungsstätten: Folkloreschule von Toto, Theatergruppe Simbiosis, Ballett Totiso von La Lajita und Sambaschule Totiso.
  • Nachbarschaftsverbände.

Weitere soziale Serviceeinrichtungen, neben den städtischen sind:

  • Religiöse Zentren: Pfarrkirche Nuestra Señora de Regla, mit drei weiteren Pfarrkirchen ( Nuestra Señora del Tanquito del Cardón, San Juan Bautista de Ajuí und San Antonio de Padua de Toto); Kapelle Nuestra Señora del Carmen, in Morro Jable; und schließlich die Kapelle San Antonio de Padua.
  • Die Zunft der Fischer, am Fischerhafen von Morro Jable.

Das Angebot soll die nächsten Jahre weiter ausgebaut werden – vor allem was soziale Arbeit und Initiativen anbetrifft.

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