Das Territorium

Was wichtige Daten anbetrifft, die mit dem Gemeindeterritorium in Verbindung stehen, so lassen sich diese unter zwei interessante Aspekte gliedern. Einerseits können wir die Gemeinde und ihre wichtigsten geografischen Indikatoren situieren. Und andererseits wollen wir ein besonderes Augenmerk auf die Naturschutzgebiete lenken. Zum Schluss werden wir einen kleinen Abstecher in die Welt der Flora und Fauna der Gemeinde unternehmen.
Generelle Merkmale:

Mit einer Gesamtoberfläche von 383,6 Quadratkilometern (23,11% der Inselfläche), stellt Pájara die größte Gemeinde von Fuerteventura dar. Das Territorium lässt sich in zwei große Gebiete unterteilen. Zum einen den nördlichen Teil, den Basalkomplex, der zur restlichen Insel gehört, und zum anderen der Süden, die Halbinsel von Jandía. Die vulkanische Inselmorphologie ist stark erosioniert und besitzt eine Küstenlänge von 150 Kilometern (die größte aller spanischen Gemeinden), mit insgesamt 70 Kilometern Strand.

Die Verbindung zum Vulkanismus lässt sich durch den Pico de la Zarza (807 Meter) knüpfen, dem höchsten Punkt der Insel. Die Entfernung zur Hauptstadt (41,5 km vom Stadtkern von Pájara und über 84 von dem Gebiet Morro Jable) schafft eine Abgelegenheit des Territoriums, die ausschlaggebend für die insulare Realität ist.
Kurzer historischer Überblick:

Der aktuelle Gemeindekreis Pájara ist das Resultat eines territorialen Trennungs- und Eingleiderungsprozesses bezüglich der entsprechenden Grenzen und Demarkationen aus der Feudalzeit (15.und 16.Jahrhundert).

Es ist schwierig an Informationen in Form von Dokumenten aus der Zeit vor dem 16.Jahrhundert zu kommen, aufgrund des Verlustes von Archiven bei den häufigen Piratenangriffen auf Fuerteventura.

Dennoch lässt sich eine Studie über die Geschichte von Pájara entwickeln, die im Jahre 1834 beginnt, als die Gemeinde ihr eigenes Bürgermeisteramt bekommt, geschaffen vom Parlament von Cádiz 1812.
Schon ab dem 17.Jahrhundert schaffen die Häfen im Süden (Herradura, Río de Cabras, Pozo Negro, Gran Tarajal, Giniginámar, La Pared und La Casa de la Señora) eine starke Verbindung nach außen. Von hier versandte man Vieh und Orchilla zum restlichen Archipel und nach Europa. Jandías kleinen Ladeplätze sind die strategischen Verladepunkte der Orchilla.

Das erklärt die Tatsache, dass Pájara im Jahre 1711 eine eigene Pfarrkirche besaß, die 1708 der Schutzherrin Nuestra Señora de Regla gewidmet und von der Pfarrkirche Matriz de Betancuaria abgesondert wurde. 1735 wird ein weiteres Kirchenschiff angebaut und gleichzeitig damit eine Basisstruktur geschaffen, die bis heute erhalten geblieben ist.
Die zunehmenden Aktivitäten der Bevölkerung hängen direkt mit dem insularen Wachstum einer mächtigen und von Pájara abstammenden Familie gegen Ende des 17.Jahrhunderts zusammen: der Familie Sánchez Umpiérrez. Pedro Sánchez Umpiérrez wurde auf königlichen Erlass (1722) zum ersten Oberst der Inselmiliz und zum “Capitán a guerra” erklärt. Eine familiäre Tradition, die durch Joseph Sánchez Umpiérrez fortgeführt wurde, der kurze Zeit später von der königlichen Autorität ebenfalls zum Oberst erklärt wurde. Dies sollte seine Position in der insularen Elite, zusammen mit dem Sieg über die Engländer in Gran Tarajal (1740), festigen.

Pedro Agustín del Castillo berichtet uns aus dem 18.Jahrhundert folgendes: “Pájara, 432 Familien und elf Distrikte, inklusive Tuineje… Las Dehesas de Jandía sind frische Gebiete mit grünen und üppigen Wäldern, in denen es reichlich Vieh gibt”. Die Zahl von 200 Einwohnern von 1718 (von insgesamt 1.215 auf der gesamten Insel), reduzierte sich 1772 auf 79 (inselweit 805); dies ist zweifellos als Folge der starken Trocken- und Hungerperioden zu betrachten, über die Archive im Cabildo (Inselrat) bestehen.
Viera y Clavijo stellt gegen Ende 18. und Anfang 19.Jahrhundert in seinen “Notizen über die generelle Geschichte der Kanarischen Inseln” fest: “Pájara ist ein gutes Dorf, genauso wie seine Pfarrkirche…”. Er weist seiner Gerichtsbarkeit folgende Territorien zu: Toto, Barjada, Eduegue, Chilegua, Mesquer, Mirabal, Tiscamanita, La Florida, Adeja, Teserague und Tuineje.

Francisco Escolar y Serrano bietet uns in seinen “Statistiken der Kanarischen Inseln, 1793-1806″ eine detailliertere Vision von der Realität Fuerteventuras im Allgemeinen und seinen Orten im Besonderen. Aus der Sicht des Autors ist Pájara eine Pfarrkirche, die sieben Distrikte mehr mit einschloss, mit einem Ausmaß von 12.371,409 Fanegas (Getreidemaß), und sagt über seine Ländereien, sie seien zwar bergig, aber “…die fruchbarsten der Insel, weil hier die Zersetzung am fortgeschrittensten ist”.
In seiner Analyse bezüglich Terrain und Wirtschaft stellt er die Existenz zweier Spinnereien und Webereien für Leinen- und Baumwollstoffe heraus, in denen sich ein interessantes Handwerksspektrum widerspiegelt (10 Schuhmacher, 2 Tischler, 8 Maurer, 3 Hutmacher und 8 Gerber). Neben der Produktion von 14.000 Fanegas Gerste und 5.000 Fanegas Weizen, als Basisgetreide, müssen wir noch wegen ihres hohen Wertes 5.000 Zentner Salzkraut und 8 Fässchen Wein auflisten. Der Viehbestand setzte sich zusammen aus 7.000 Ziegen, 3.600 Wollschafen, 1.000 Rindern, 500 Kamelen und 200 Eseln. Eine Viehherde produzierte neben Milch und Fleisch 70 Zentner Wolle, 850 Zentner Käse und 512 Lederhäute.

Pájara besaß gemäß dieser Statistik im Jahre 1802 1.449 Einwohner, die sich auf insgesamt 386 Häuser aufteilten.

Es muss berücksichtigt werden, dass die Jandía-Halbinsel in dieser Epoche bis in die zeitgenössische Etappe zum herrschaftlichen Besitz gehörte. Ihre Wirtschaft produzierte gegen Ende 16.Jahrhundert für die Herrscher der Insel 5.000 Reales pro Jahr zur Zahlung der Weiderechte, zu denen wir noch 1.000 Dukaten bzgl. des Viehs zählen müssen, das zum herrschaftlichen Eigentum gehörte, und einen wesentlichen Teil der jährlichen 100.000 Reales, die mit dem Verkauf der Orchilla erzielt wurden.

Ein Gebiet, das Anfang des 19.Jahrhunderts immer noch Trinkwasserquellen besaß, und fruchtbare Böden, auf denen man das Vieh von Pájara und Tuineje weiden lassen, sowie “… auf den Felsen den inselweit ganzjährig grössten Anteil an Orchilla sammeln konnte…”. Das Gebiet diente aufgrund seiner Abgeschiedenheit “… jenen, die von Canaria kamen, um dort zu fischen, als Zufluchtsstätte…”.

Josef María de Zuaznavar, Finanzbeamter der Real Audiencia de Canarias, erwähnt im Jahre 1803, “Páxara” sei ein herrschaftlicher Ort mit einem Bürgermeister.

Das Madoz-Wörterbuch aus den 40er Jahren des vergangenen Jahrhunderts beschreibt Pájara als einen Gemeindekreis. Es spricht von 100 Häusern im Stadtkern und weiteren 237, die insgesamt auf 15 Ländereien aufgeteilt sind, unter denen sich unter anderem Tiscamanita und Tuineje befinden, und gleichzeitig wird auch Cofate de Jandía erwähnt.

Das soziale Panorama ist laut den Ausführungen besagten Wörterbuchs eher niedrig einzuschätzen. So können im Jahre 1834-35 von insgesamt 1.499 Ortsbewohnern nur 189 Männer und 76 Frauen lesen, und von diesen nur 125 Männer und 25 Frauen schreiben.

Es ist weiterhin die Sprache von fruchtbarem Boden, auf dem Weizen und Gerste produziert wird, und in geringeren Ausmaßen auch Mais und Kartoffeln. Salzkraut und der rote Farbstoff der Cochinilla-Schildlaus, letztere wurde aus Südamerika eingeführt, bilden die einzigen Exportprodukte.

Das 19. und überwiegend auch das 20.Jahrhundert sind geprägt von Nöten, Hungerkrisen und allgemeinen Überlebensschwierigkeiten.

WP SlimStat